Benutzer: Martin Böhnert/Werkstatt: Unterschied zwischen den Versionen

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==Newsletter==
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<accordion parent="accordion" heading="12.03.2026 - Equal Care Day [Newsletter #1]" class="in">
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[[#anchor NL1-en|english below]]
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===Liebe Alle,===
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rund um den jährlichen [https://equalcareday.org/ Equal Care Day am 29. Februar], der dieses Jahr zum zehnten Mal begangen wurde, rücken Fragen von Sorge, Verantwortung und Aufmerksamkeit zumindest zeitweise in den Vordergrund. Sie erinnern daran, dass auch Phänomene wie Klimakrise, Nachhaltigkeit oder Anthropozän nicht aus einer einzigen Perspektive zu verstehen sind, sondern als vielschichtige, vielstimmige Zusammenhänge. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns in der [[IAG Climate Thinking|interdisziplinären Arbeitsgruppe Climate Thinking]] mit unterschiedlichen Zugängen und Perspektiven zu diesen Feldern auseinander. Der Newsletter greift diese Vielfalt innerhalb der Arbeitsgruppe auf, indem jede Ausgabe im Austausch zweier Mitglieder entsteht, die den Newsletter gemeinsam kuratieren.
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''Publikationen''
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===Zwei neue Open Access-Bände===
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[[Datei:CCC-03.jpg|left|150px|Cover von Reading Nature and Cultures]] Unsere bei transcript herausgegebene Buchreihe [[Climates – Cultures – Contexts]] begreift Klima, Nachhaltigkeit und das Anthropozän nicht als isolierte Themen, sondern als Phänomenkomplex, der in kulturelle, räumliche, zeitliche, materielle und institutionelle Zusammenhänge eingebettet ist.
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Der im Januar veröffentlichte dritte Band [[Reading Nature and Cultures – Interdisciplinary Perspectives on Witi Ihimaera’s „The Whale Rider“ and its Contexts|Reading Nature and Cultures]] versammelt ausgehend von Witi Ihimaeras The Whale Rider Perspektiven darauf, wie Natur, Kultur und Wissen in unterschiedlichen Kontexten gelesen, gedeutet und verhandelt werden. Für April angekündigt ist der vierte Band [[Futurische Idyllen]], der sich mit Zukunftsentwürfen zwischen Nachhaltigkeitsversprechen, Imagination und Kritik auseinandersetzt. Charakteristisch für die Reihe ist auch ihre visuelle Gestaltung: Die Umschläge greifen Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt auf, dessen konturenscharfe Arbeiten die Trennung von Objektivität und Ästhetik, von Naturgegebenem und kultureller Formung irritieren.
  
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Die Reihe ist '''offen für weitere Publikationsprojekte'''. Wer über ein Buchvorhaben nachdenkt, das thematisch oder konzeptionell anschließen könnte, ist herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen.
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→ [https://www.transcript-verlag.de/reihen/kulturwissenschaft/climates-cultures-contexts/ Mehr zur Buchreihe]
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Dieser Artikel entfaltet eine grundlegende Überlegung zur Programmatik von [[Climate Thinking]] aus einer wissenschaftsphilosophischen Perspektive. Hierbei werden komplementär zu naturwissenschaftlich geprägten Forschungstraditionen Phänomene wie ''Klima'' und ''Umwelt'' in ihrer sprachlichen Konstituiertheit und kulturellen Bedingtheit begriffen und analysiert. Im Sinne des [[Über Klimawandel nachdenken|Nachdenkens über den Klimawandel]], wird so die '''Klimakrise''' nicht bloß als Matter of Fact, sondern – in Erweiterung um theoretische, sprachliche und kulturelle Dimensionen – '''als Matter of Concern''' begriffen.<ref>Dieser Artikel ist eine leicht überarbeite Fassung eines Beitrags, der erstmals am 22.12.2021 in dem Philosophie-Magazin ''Philosophike'' erschien. (Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Böhnert, Martin |Titel=Climate Thinking: Klimakrise als “Matter of Fact” oder “Matter of Concern” |Herausgeber*in= |Sammelband=Philosophike |Jahr=2021 |Website=philosophike.de|Online=https://philosophike.de/2021/12/climate-thinking-klimakrise-als-matter-of-fact-oder-matter-of-concern |Abruf=11.03.2022 }})</ref>
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''Forschung''
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===Neues Projekt: Krähen und Kommunen===
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Im Rahmen der Rhein-Main-Universitätsallianz startet Climate Thinking-Mitglied [[Benutzer:Paul.Reszke|Paul Reszke]] (JGU Mainz) gemeinsam mit Lisa Rhein und Niklas Simon (beide TU Darmstadt) das Projekt '''Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur'''. Das Projekt soll ein dreischrittiges Vorgehen zur '''Exploration und Lösung von kommunikativ-diskursiven Konflikten an der Schnittstelle von Gesellschaft und Natur''' ermöglichen, bei dem Perspektiven der Angewandten Linguistik und der Akteur-Netzwerk-Theorie kombiniert und um Aspekte einer (partizipativen) citizen science erweitert werden.
  
==Das Ende einer Erlösungserzählung als Startpunkt einer Forschung==
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Als Problemkomplex wird der Umgang mit Krähenpopulationen in der Nähe von Obstbaumplantagen sowie in angrenzenden Wohngebieten in der Rhein-Main-Region bearbeitet. Das '''langfristige Ziel''' ist die Verstetigung dieser Forschungsplattform.
„Our belief that science alone could deliver us from the planetary quagmire is long dead.“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Sörlin, Sverker |Titel=Environmental Humanities. Why Should Biologists Interested in the Environment Take the Humanities Seriously? |Zeitschrift=BioScience |Band=62 |Nummer=9 |Jahr=2012 |Seite=788-789, hier S. 788 }}</ref> Dieses Zitat des schwedischen Umwelt- und Wissenschaftshistorikers [[Sverker Sörlin]] dient dem [[Forschungsschwerpunkt Climate Thinking|Forschungs-]] und [[Lehrschwerpunkt Climate Thinking|Lehrschwerpunkt]] Climate Thinking als eine Art Prämisse, Startpunkt oder vielleicht besser, als ein Denkanstoß. Das in nur 15 Worten formulierte Miniaturnarrativ verweist auf verschiedene Grundannahmen, um einen Ist-Zustand zu beschreiben: Hinter einem kollektiven „our“ versammelt sich eine in großer Gefahr befindliche Gemeinschaft, bei der ein Glaube an eine superheroisch überzeichnete Instanz kursierte, welche „us“ – wenn nicht vom Bösen, so doch vom „planetarischen Schlamassel“ – erlösen könne. Selbstverständlich geht es Sörlin um die Lage der Menschheit im Angesicht der Klimakrise. Aber, so Sörlins nüchterner Befund, selbst wenn die Naturwissenschaft nicht – wie Nietzsches Gott – tot ist, so ist es doch der Erlösungsglaube an sie als alleinige Heilsbringer.
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Ein erster '''Workshop''' ist für November 2026 geplant.
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→ [https://www.germanistik.uni-mainz.de/dr-paul-reszke/ Weitere Informationen im Link unter Aktuelles]
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''Transfer''
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===Climate Writing===
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[[Datei:Climate-Writing-Workshops.png|left|150px|Ankündigungsposter für die Climate Writing Workshops]]In bereits zwei '''Workshops zum Kreativen Schreiben ''in, mit und über Umwelt''''' hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, sich schreibend ihrer Umwelt anzunähern und sowohl ihre Wahrnehmung von Natur als auch ihren eigenen Schreibprozess zu reflektieren: Unter der Leitung der CT-Mitglieder [[Benutzer:Silvie Lang|Silvie Lang]] und [[Benutzer:Lisa Hinterleitner|Lisa Hinterleitner]] (beide Universität Kassel) erkundeten die Teilnehmenden in unterschiedlichen Wetterlagen beobachtend und schreibend den Campus und die Umgebung. Besonders erfreulich war das Interesse aus '''unterschiedlichen Fachrichtungen und Statusgruppen'''. Die Studierenden zeigten großes Interesse an der kreativen Textarbeit, nutzten den Workshop aber auch als Einstieg ins wissenschaftliche Schreiben. Es entstanden kurze Texte, von denen einer bereits im Rahmen der Abschlussfeier der Absolvent:innen des Fachbereichs Geistes- und Kulturwissenschaften der Universität Kassel vorgetragen wurde. Als thematische Gemeinsamkeit erschien dabei besonders die unscharfe '''Trennlinie von Natur und Kultur'''.
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Eine '''Veröffentlichung der Texte''' im Laufe dieses Jahres ist in der Zeitschrift ''Brennessel – Blätter für Natur, Raum & Wahrnehmung'' (Edition Dryade) vorgesehen, begleitet von einer Lesung.
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→ [https://www.vidinski.com/onewebmedia/Edition%20Dryade%20-%20Gesamtkatalog%2011%202025.pdf Zum Verlag Edition Dryade (PDF)]
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''Momentaufnahme''
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===Ausstellung studentischer Arbeiten===
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[[Datei: Care-Stolpersteine.png|class=img-responsive|Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie (Universität Kassel: Wintersemester 2025/26, Leitung [[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]]).]]
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Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie ([[Lehrschwerpunkt Climate Thinking|Universität Kassel: Wintersemester 2025/26]], Leitung [[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]]).
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→ [https://hcommons.social/@unlucky_specialist Weitere Eindrücke zu den studentischen Arbeiten]
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Danke für die Aufmerksamkeit und herzliche Grüße,<br>
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[[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]] & [[Benutzer:Johannes Thüne|Johannes Thüne]]<br>
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für die IAG Climate Thinking
  
Ausgehend von dieser Überlegung fragt Climate Thinking mit einer kritischen Haltung danach, was die Geistes- und Kulturwissenschaften als traditioneller Gegenpol zu den Naturwissenschaften im Diskurs um die Klimakrise beitragen können. Damit wird auch die landläufige Einschätzung hinterfragt, dass die Veränderung des Klimas als ein Umweltproblem und damit als Teil der Natur ausschließlich in den exploratorischen und explanatorischen Zuständigkeitsbereich der Naturwissenschaften falle: Die Naturwissenschaften bestimmen den Gegenstandsbereich, erforschen die Probleme und schlagen - üblicherweise technische - Lösungen vor, die dann zur (einzig?) legitimen Grundlage politischer Entscheidungen werden.<ref>Vgl. hierzu die Überlegungen in{{Quellen-Literatur|Autor*in=Elliott, Alexander; Damodaran, Vinita; Cullis, James |Titel=Introduction |Herausgeber*in=Elliott, Alexander; Cullis, James; Damodaran, Vinita |Sammelband=Climate Change and the Humanitis. Historical, Philosophical and Interdisciplinary Approaches to the Contemporary Environmental Crisis |Ort=London |Verlag=Crisis |Jahr=2017 |Seite=1-11 }} Sowie {{Quellen-Literatur|Autor*in=Mutschler, Hans-Dieter |Titel=Naturphilosophie |Ort=Stuttgart |Verlag=W. Kohlhammer |Jahr=2002 |Seite=8 }}</ref>
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| style="padding: 10px" | [[Datei:Portrait-Martin.png|100px|Martin Böhnert]] || style="padding: 10px" | [[Datei:Portrait-Johannes.png|100px|Martin Böhnert]] || style="padding: 10px" | Dieser Newsletter wurde gemeinsam verfasst von Martin Böhnert (Universität Kassel), der aus philosophischer Perspektive zu Care, Wissen und Verantwortung im Kontext der Klimakrise arbeitet, und Johannes Thüne (Ruhr-Universität Bochum), der aus der katholischen Theologie heraus Care, Befreiung und Stimmen der Marginalisierten in den Mittelpunkt stellt.
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<span id="anchor NL1-en">‎English newsletter</span>
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===Dear all,===
  
Überzeichnet man diese Grundüberzeugung, so imaginiert sie ein positivistisches Natur- und Weltbild, welches mittels eindeutiger und mit Gewissheit ausgestatteter [[Tatsache (alltagssprachlich)|Tatsachen]] vollständig erfasst werden kann, um daraus schließlich ebenso klare Entscheidungsgründe abzuleiten.<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Nassehi, Armin |Titel=Klima, Viren, Kurven. Was heißt, auf die Wissenschaft zu hören? |Herausgeber*in=Nassehi, Amin; Felixberger, Peter |Sammelband=Donner. Wetter. Klima. (Kursbuch 202) |Ort=Hamburg |Verlag=Kursbuch Kulturstiftung gGmbH |Jahr=2020 |Seite=145-163, hier S. 146 }}</ref> Auch ohne starke Überzeichnung kommt eine solche Auffassung jedoch zumindest tendenziell zum Ausdruck. Etwa in dem Motto „Zu Fakten gibt es keine Alternative!“, unter dem sich 2017 beim ersten ''March for Science'' weltweit Menschen zusammentaten, um der wachsenden – überwiegend populistisch und nicht erkenntnistheoretisch ausgerichteten – Skepsis gegenüber wissenschaftlichen Forschungsergebnissen entgegenzutreten.<ref>{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Zinkant, Kathrin |Titel=Sciences Marches – Zu Fakten gibt es keine Alternative |Zeitung=Süddeutsche Zeitung |Datum=23. April 2017 |Seite= |Online=https://www.sueddeutsche.de/wissen/science-marches-zu-fakten-gibt-es-keine-alternative-1.3474915 |Abruf=17.02.2022 }}</ref> Ein solcher Ruf nach (mehr) Naturwissenschaft hat jedoch auch zur Folge, dass die Klimakrise in einer naturwissenschaftlichen Sprache physikalischer Kausalitäten als abstraktes, biophysisches, entkontextualisiertes und de-politisiertes Ereignis erfahren wird.<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Bravo, Michael T. |Titel=Voices From the Sea Ice: the Reception of Climate Impact Narratives |Zeitschrift=Journal of Historical Geography |Band=35 |Nummer=2 |Jahr=2009 |Seite=256-278, hier S. 259 |Online=https://doi.org/10.1016/j.jhg.2008.09.007 |Abruf=17.02.2022 }}</ref>
 
  
==Matters of Fact und Matters of Concern==
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Around the annual [https://equalcareday.org/ Equal Care Day on February 29] – celebrated this year for the tenth time – questions of care, responsibility, and attentiveness move, at least temporarily, into the foreground. They remind us that phenomena such as the climate crisis, sustainability, or the Anthropocene cannot be understood from a single perspective, but only as layered, polyphonic constellations. Against this background, the interdisciplinary working group Climate Thinking engages with these fields through a range of different approaches and perspectives. This newsletter reflects the diversity within the group by being jointly curated for each issue by two members in dialogue.
Es sollte nicht überraschen, dass – frei nach [[Edmund Husserl]] – bloße Tatsachenwissenschaften bloße Tatsachenphänomene imaginieren.<ref>Bei Husserl lautet es: „Bloße Tatsachenwissenschaften machen bloße Tatsachenmenschen.“ {{Quellen-Literatur|Autor*in=Husserl, Edmund |Titel=ie Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie |Ort=Hamburg |Verlag= Meiner |Jahr=1937/2012 |Seite=6 }}</ref> Ein auf diese Weise gefasster Begriff der Klimakrise noch einmal frei nach Husserl ist dann jedoch bloß ein „Restbegriff“,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Husserl, Edmund |Titel=ie Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie |Ort=Hamburg |Verlag= Meiner |Jahr=1937/2012 |Seite=9 }}</ref> der nicht berücksichtigen kann, dass die Wissenschaften selbst und auch das von ihnen erforschte Phänomen in komplexen gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, ökologischen, technischen, ideengeschichtlichen etc. Zusammenhängen eingebunden sind. Mit [[Bruno Latour]] gesprochen lässt sich dieser naturwissenschaftliche Restbegriff als ''Matters of Fact'' beschreiben,
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''Publications''
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===Two new open-access volumes===
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[[Datei:CCC-03.jpg|left|150px|Cover of Reading Nature and Cultures]] Our book series [[Climates Cultures Contexts]], published with transcript, approaches climate, sustainability, and the Anthropocene not as isolated topics but as a complex of phenomena embedded in cultural, spatial, temporal, material, and institutional contexts.
  
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The third volume, [[Reading Nature and Cultures – Interdisciplinary Perspectives on Witi Ihimaera’s „The Whale Rider“ and its Contexts|Reading Nature and Cultures]], published in January, takes Witi Ihimaera’s The Whale Rider as its point of departure and brings together perspectives on how nature, culture, and knowledge are read, interpreted, and negotiated across different contexts. The fourth volume, [[Futurische Idyllen]], announced for April, explores imaginaries of the future situated between promises of sustainability, imagination, and critique. A distinctive feature of the series is its visual design: the covers draw on plant photographs by Karl Blossfeldt, whose sharply contoured works unsettle the separation between objectivity and aesthetics, between what is given by nature and what is shaped culturally.
  
[[Bruno Latour]] stellt diesem Restbegriff der naturwissenschaftlichen ''Matters of Fact'' den Begriff der ''Matters of Concern'' entgegen. Dieser Begriff soll die Klimakrise – aber auch andere naturwissenschaftliche Tatsachen von der Doppelhelixstruktur der DNA bis zu [[Tatsache (wissenschaftssoziologisch)|unserem Wissen über Dinosaurier]] – nicht bloß als faktenhaft isolierbares Ding erfassen, auf das verwiesen und über das referiert werden kann. Als Matter of Concern ist die Klimakrise eine Versammlung oder Zusammenkunft („Gathering“) von Ideen, Mächten, Akteur*innen, Praktiken und Schauplätzen, die entsteht und sich entwickelt, indem sie einem eine Angelegenheit ist, man sich um sie kümmert, sich um sie sorgt und besorgt ist.<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno |Titel=Why Has Critique Run Out of Steam? From Matters of Fact to Matters of Concern |Zeitschrift=Critical Inquiry |Band=30 |Nummer=2 |Jahr=2004 |Seite=225-248, hier S. 231-237 |Online= |Abruf=17.02.2022 }} Latour verweist an dieser Stelle auch mit Bezugnahme auf Martin Heidegger auf die Etymologie des Wortes „Ding“, welches im mittelhochdeutschen „thing“ gleichzeitig eine Sache, ein Objekt, als auch eine Versammlung, eine Angelegenheit bezeichnet.
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The series is '''open to further publication projects'''. Anyone considering a book project that could connect thematically or conceptually is warmly invited to get in touch with us.
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[https://www.transcript-verlag.de/reihen/kulturwissenschaft/climates-cultures-contexts/ More about the book series]
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''Research''
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===New project: Crows and Communities===
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Within the framework of the Rhine-Main University Alliance, Climate Thinking member [[Benutzer:Paul.Reszke|Paul Reszke]] (JGU Mainz), together with Lisa Rhein and Niklas Simon (both TU Darmstadt), is launching the project '''Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur''' (''Crows and Communities. Discursive Conflicts between Society and Nature''). The project aims to develop a three-step approach for '''exploring and addressing communicative–discursive conflicts at the interface of society and nature'''. It combines perspectives from applied linguistics and actor–network theory and extends them through elements of (participatory) citizen science.
  
Aspekte dieses Gatherings in den Blick zu nehmen, in denen [[Über Klimawandel sprechen|über die Klimakrise gesprochen]], [[Vom Klimawandel erzählen|von ihr erzählt]] und [[Über Klimawandel nachdenken|über sie nachgedacht]] wird, versteht Climate Thinking als eine der zentralen Aufgaben und Kompetenzen der Geistes- und Kulturwissenschaften. Dabei darf dieser Zugang jedoch nicht als Schwächung oder gar Abrede von Tatsachen missverstanden werden obgleich es an der Oberfläche scheinbar eine gefährliche Ähnlichkeit mit Ansätzen einer strategischen Leugnung der Klimakrise gibt und sich ein nur schmaler Grat zwischen Wissenschaftsphilosophie und Verschwörungstheorie zu offenbaren scheint, wie Latour befürchtet.<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Latour, Bruno |Titel=Why Has Critique Run Out of Steam? From Matters of Fact to Matters of Concern |Zeitschrift=Critical Inquiry |Band=30 |Nummer=2 |Jahr=2004 |Seite=225-248, hier S. 228 |Online= |Abruf=17.02.2022 }}</ref>
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As a concrete problem complex, the project focuses on the management of crow populations in the vicinity of fruit orchards as well as in adjacent residential areas in the Rhine–Main region. The '''long-term goal''' is to establish this research platform on a sustainable basis.
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A ''' first workshop''' is planned for November 2026.
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→ [https://www.germanistik.uni-mainz.de/dr-paul-reszke/ Further information via the link under Aktuelles]
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===Climate Writing===
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[[Datei:Climate-Writing-Workshops.png|alt={Poster announcing the Climate Writing workshops. It shows a stylized fountain pen whose nib extends into the roots of a tree.}|left|150px|Poster announcing the Climate Writing workshops]]In two workshops on '''Creative Writing in, with, and about the Environment''', participants had the opportunity to approach their surroundings through writing and to reflect both on their perception of nature and on their own writing processes. Under the guidance of CT members [[Benutzer:Silvie Lang|Silvie Lang]] und [[Benutzer:Lisa Hinterleitner|Lisa Hinterleitner]] (both University of Kassel), participants explored the campus and its surroundings through observation and writing in a variety of weather conditions. Particularly encouraging was the interest shown by '''participants from different disciplines and status groups'''. Students expressed strong interest in creative textual work, while also using the workshop as an entry point into academic writing. Short texts emerged from the workshops, one of which has already been read aloud at the graduation ceremony of the Faculty of Humanities and Cultural Studies at the University of Kassel. A recurring thematic thread was the '''blurred boundary between nature and culture'''.
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'''Publication of the texts''' is planned for later this year in the journal ''Brennessel Blätter für Natur, Raum & Wahrnehmung'' (Edition Dryade), accompanied by a public reading.
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→ [https://www.vidinski.com/onewebmedia/Edition%20Dryade%20-%20Gesamtkatalog%2011%202025.pdf About the publisher Edition Dryade (PDF)]
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''Snapshot''
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===Exhibition of student work===
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[[Datei: Care-Stolpersteine.png|class=img-responsive|Detail view of the project. The excerpt shows various objects (photographs of Stolpersteine, printed emails, a spoon used for cleaning) connected with red threads.]]
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Detail view of a student project on Stolpersteine in the context of relations of care. Created in the seminar Matters of Care – Care as a Mode of Thinking and Acting in Philosophy ([[Lehrschwerpunkt Climate Thinking|University of Kassel, winter semester 2025/26]], led by [[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]]).
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→ [https://hcommons.social/@unlucky_specialist Further impressions of the student work]
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Thank you for your attention and kind regards,<br>
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[[Benutzer:Martin Böhnert|Martin Böhnert]] & [[Benutzer:Johannes Thüne|Johannes Thüne]]<br>
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for the Interdisciplinary Working Group Climate Thinking
  
Während es der Wissenschaftsphilosophie – und damit auch Climate Thinking – darum geht, soziale, gesellschaftliche, historische etc. Kontexte der Klimakrise mitzureflektieren und somit den Tatsachen als Matters of Concern geradezu mehr Realität zuzugestehen, als es der bloße Restbegriff der Matters of Fact erlaubt, zielen Verschwörungstheorien darauf ab, die Klimakrise im ausschließlichen Sinne von Matters of Fact zu begreifen und deren vermeintlich absolute Gewissheit in Frage zu stellen:
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„Voters believe that there is no consensus about global warming within the scientific community. Should the public come to believe that the scientific issues are settled, their views about global warming will change accordingly. Therefore, you need to continue to make the lack of scientific certainty a primary issue in the debate“,<ref>{{Quellen-Zeitung|Autor*in=Burkeman, Oliver |Titel=Memo Exposes Bush’s New Green Strategy |Zeitung=The Guardian |Datum=04.03.2003 |Seite= |Online=https://www.theguardian.com/environment/2003/mar/04/usnews.climatechange |Abruf=17.02.2022 }} Trivia: Luntz sei auch verantwortlich dafür, dass im Wahlkampf von George W. Bush anstelle des zuvor in dessen Reden verwendeten Begriffs „Global Warming“, der weniger bedrohliche Begriff „Climate Change“ eingeführt wurde (vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Powell, James L. |Titel=The Inquisition of Climate Science |Ort=New York |Verlag=Columbia University Press |Jahr=2012 |Seite=175 }}</ref> empfahl der politische Berater [[Frank Luntz]] entsprechend im Wahlkampfjahr 2002 den US-amerikanischen Republikaner*innen.
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Hierin zeigt sich letztlich auch die Schwierigkeit des oben zitierten Mottos „Zu Fakten gibt es keine Alternative!“: Sobald es nämlich Alternativen gibt – was wissenschaftsphilosophisch betrachtet weder überraschend noch problematisch ist –, scheint dies im Umkehrschluss zu bedeuten, dass das Ausbleiben unumstößlicher Fakten als Beleg dafür gelten könne, dass im Grunde gar nichts Sicheres über den menschengemachten Klimawandel ausgesagt werden könne und entsprechend auch kein (politischer) Handlungsbedarf bestehe.<ref>Vielleicht lese ich das Motto aber auch falsch und es zielt darauf ab, dass es keine andere legitimierbare Wissensform als „das Faktische“ gebe. Das führt meines Erachtens jedoch nur in eine andere Sackgasse.</ref> Dem ist in dieser Verkürzung dringend zu widersprechen.
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| style="padding: 10px" | [[Datei:Portrait-Martin.png|100px|Martin Böhnert]] || style="padding: 10px" | [[Datei:Portrait-Johannes.png|100px|Martin Böhnert]] || style="padding: 10px" | This newsletter was jointly written by Martin Böhnert (University of Kassel), who works from a philosophical perspective on care, knowledge, and responsibility in the context of the climate crisis, and Johannes Thüne (Ruhr University Bochum), who, drawing on Catholic theology, places care, liberation, and marginalized voices at the center of his work.
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Daraus folgt jedoch nicht – sozusagen zum Wohle des Planeten –, von einer kritischen Reflexion der naturwissenschaftlichen Tatsachenphänomene Abstand nehmen zu müssen. Ganz im Gegenteil weist dies viel mehr darauf hin, dass die (natur-)wissenschaftliche Forschung Teil des Gatherings, Teil der Matters of Concern namens Klimakrise ist. Eine rein naturwissenschaftlich-technisch dominierte Erfassung und Beschreibung der Klimakrise und deren Folgen als Matters of Fact impliziert im Zweifel aber auch eine ausschließlich technisch-technologische Bewältigungsstrategie, bei der etwa soziokulturelle und gesellschaftspolitische Aspekte „hinter mess-, quantifizier- und prognostizierbaren globalen Folgen des Klimawandels“ verschwinden und die „Gefahr einer solchen konzeptionellen Missachtung der komplexen sozialen, politischen und ökonomischen Verhältnisse“ darin liegt, „bestehende soziale Ungleichheiten mittels Anpassungspolitik zu perpetuieren.“<ref>{{Quellen-Lexika|Lemma=Klimaanpassung |Autor*in=Dietz, Kristina; Brunnengräber, Achim |Herausgeber*in=Bauriedl, Sybille |Nachschlagewerk=Wörterbuch Klimadebatte |Band= |Ort=Bielefeld |Verlag=Transcript |Jahr= |Seite=127-132, hier S. 128 }}</ref>
 
  
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</accordion>
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<accordion parent="accordion" heading="SECTION2">
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  Lorem ipsum...
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Diese Gefahr weisen auch [[Silja Klepp]] und [[Libertad Chavez-Rodriguez]] in ihrer kulturgeographischen Arbeit aus, in der sie ein sich seit den 1970er Jahren fortschreibendes Opfernarrativ der biophysisch stärker bedrohten Regionen des globalen Südens nachzeichnen, mündend in neo-liberal gefärbten Konzepten von Klimavulnerabilität und Resilienz.<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Klepp, Silja; Chavez-Rodriguez, Libertad |Titel=Governing Climate Change. The Power of Adaption Discourses, Policies, and Practices |Herausgeber*in=Klepp, Silja; Chavez-Rodriguez, Libertad |Sammelband=A Critical Approach to Climate Change Adaption. Discourses, Policies, and Practices |Ort=London; New York |Verlag=Routledge |Jahr=2018 |Seite=3-34, hier S. 12-14 }}</ref>
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===MW===
  
Vor diesem Hintergrund wendet sich bei ihnen die nüchtern deskriptive Einschätzung Sörlins zu einem normativen Appell: „[C]limate change cannot be left to natural sciences“.<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Klepp, Silja; Chavez-Rodriguez, Libertad |Titel=Governing Climate Change. The Power of Adaption Discourses, Policies, and Practices |Herausgeber*in=Klepp, Silja; Chavez-Rodriguez, Libertad |Sammelband=A Critical Approach to Climate Change Adaption. Discourses, Policies, and Practices |Ort=London; New York |Verlag=Routledge |Jahr=2018 |Seite=3-34, hier S. 23 }}</ref>
 
Ein Weg, die Klimakrise stattdessen als Matter of Concern in den Blick zu nehmen, ist es im Sinne von Climate Thinking, zu reflektieren, wie über sie gesprochen, von ihr erzählt und über sie nachgedacht wird. So lässt sich beispielsweise fragen, wer auf welchen Kanälen mit wem und zu welchem Zweck über die Klimakrise spricht – oder darüber schweigt. Dabei wird selbstverständlich nicht nur in Pressetexten und Social Media über die Klimakrise gesprochen und geschwiegen, sondern beispielsweise auch in Dokumentarfilmen oder in der Kunst: „Das Sprechen über den Klimawandel ist ein hochgradig komplexes gesellschaftliches Phänomen, dessen Analyse Einblicke in die gegenwärtige politische Kommunikationskultur, Meinungsbildung und die Formierung politischer Gruppen ermöglicht.“[14]
 
  
Es lohnt sich aber auch zu beleuchten, wie utopische und dystopische Literatur Welten [[Vom Klimawandel erzählen|erzählen]], in denen die Folgen des Klimawandels deutlich zutage treten. Solche Welten imaginieren aber nicht nur Literatur, Film oder Videospiel[16], sondern auch andere Medien, die vielleicht nicht gleich in den Blick geraten: Zum erzählen welcher Welt regt beispielsweise der Lego-Konzern an, wenn die Planung der Lego-City im Kinderzimmer aufgrund der verfügbaren Sets noch immer vom Auto als dominantem Transportmittel aus gedacht werden muss, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen mittels Tankstellen- und Tanklastwagen-Sets aufrechterhalten wird und nachhaltige Mobilität höchstens als „das Andere“ imaginiert werden kann?<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Stockmann, Nils; Graf, Antonia |Titel=Polluting our Kids’ Imagination? Exploring the Power of Lego in the Discourse on Sustainable Mobility Exploring the Power of Lego in the Discourse on Sustainable Mobility |Zeitschrift=Sustainability: Science, Practice and Policy |Band=16 |Nummer=Special Issue |Jahr=2020 |Online=https://doi.org/10.1080/15487733.2020.1802142 |Abruf=17.02.2022 }}</ref>
 
  
In all diesen Zusammenhängen lässt sich aber auch darüber nachdenken, welches Naturverständnis eigentlich vorausgesetzt wird, wenn die Klimakrise unter einem „modernisierungstheoretischen Entwicklungsparadigma [diskutiert wird], dessen Fortschrittsideal und Technologieoptimismus aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen“,<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in=Bauriedl, Sybille |Titel=Einleitung |Herausgeber*in=Bauriedl, Sybille |Sammelband=Wörterbuch Klimadebatte |Ort=Bielefeld |Verlag=Transcript |Jahr=2015 |Seite=9-22, hier S. 18 }}</ref> oder wenn unter sozioökonomischen Gesichtspunkten Natur als zu nutzendes Objekt mit der Sphäre produktiver, bezahlter, männlich konnotierter Arbeit bzw. als zu schützendes Objekt mit der Sphäre reproduktiver, unbezahlter, weiblich konnotierter Arbeit verbunden wird.<ref>Vgl. {{Quellen-Literatur|Autor*in=Burandt, Annemarie; Mölders, Tanja |Titel=Nature–Gender Relations within a Social-Ecological Perspective on European Multifunctional Agriculture: The Case of Agrobiodiversity |Zeitschrift=Agriculture and Human Values |Band=34 |Nummer=4 |Jahr=2017 |Seite=955-967 |Online= |Abruf=17.02.2022 }}</ref>
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Checken: Tatsache in: [[Benutzer:Lara_Neugebauer/Werkstatt]]
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Auch darüber nachzudenken, inwiefern in ethisch-moralischer Hinsicht die Zusammenhänge von Verursachung und Auswirkung räumlich und zeitlich verschwimmen und ein besonderes Zusammenspiel von individueller Verantwortung und kollektiver Verursachung vorliegt. Und schließlich, welche Form von Wissen über die Klimakrise uns eigentlich vorliegt oder vorliegen kann – wie in diesem Beitrag.
 
Diese bewusst nicht an disziplinären Grenzen, sondern an den drei Zugängen des Sprechens, Erzählens und Nachdenkens von bzw. über die Klimakrise angelegte Ausrichtung, prägen den Ansatz des Lehr- und Forschungsschwerpunkts Climate Thinking, seit seiner Gründung im Sommersemester 2020. Seit dieser Zeit haben nicht nur mittlerweile über 40 Lehrveranstaltungen[20] und eine Ringvorlesung[21] stattgefunden, es ist mit dem Living Handbook-Projekt [22] auch ein Ort geschaffen worden, an dem die Beiträge und Überlegungen nachhaltig dokumentiert und sichtbar gemacht werden. Zudem ist Climate Thinking als Ausstellungsobjekt in die Sonderausstellung „Wunderkammer Moderne“ zum 50-jährigen Jubiläum der Universität Kassel in das Museum eingezogen.[23] All dies trägt dazu bei, die Klimakrise als Matter of Concern begreifbarer zu machen.
 
 
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- „Aufzeigen, was getan werden soll“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in= Espinosa, Cristina; Pregernig, Michael; Fischer, Corinna
 
- „Aufzeigen, was getan werden soll“<ref>{{Quellen-Literatur|Autor*in= Espinosa, Cristina; Pregernig, Michael; Fischer, Corinna

Aktuelle Version vom 23. März 2026, 14:10 Uhr

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Dieser Beitrag ist kein inhaltlicher Bestandteil des Living Handbooks, sondern die persönliche Werkstatt-Seite von Nutzer*in Martin Böhnert. Bitte nehmen Sie keine Änderungen an dieser Seite vor, ohne dies zuvor mit Martin Böhnert abgesprochen zu haben.


Newsletter

english below

Liebe Alle,

rund um den jährlichen Equal Care Day am 29. Februar, der dieses Jahr zum zehnten Mal begangen wurde, rücken Fragen von Sorge, Verantwortung und Aufmerksamkeit zumindest zeitweise in den Vordergrund. Sie erinnern daran, dass auch Phänomene wie Klimakrise, Nachhaltigkeit oder Anthropozän nicht aus einer einzigen Perspektive zu verstehen sind, sondern als vielschichtige, vielstimmige Zusammenhänge. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns in der interdisziplinären Arbeitsgruppe Climate Thinking mit unterschiedlichen Zugängen und Perspektiven zu diesen Feldern auseinander. Der Newsletter greift diese Vielfalt innerhalb der Arbeitsgruppe auf, indem jede Ausgabe im Austausch zweier Mitglieder entsteht, die den Newsletter gemeinsam kuratieren.


Publikationen

Zwei neue Open Access-Bände

Cover von Reading Nature and Cultures
Unsere bei transcript herausgegebene Buchreihe Climates – Cultures – Contexts begreift Klima, Nachhaltigkeit und das Anthropozän nicht als isolierte Themen, sondern als Phänomenkomplex, der in kulturelle, räumliche, zeitliche, materielle und institutionelle Zusammenhänge eingebettet ist.

Der im Januar veröffentlichte dritte Band Reading Nature and Cultures versammelt ausgehend von Witi Ihimaeras The Whale Rider Perspektiven darauf, wie Natur, Kultur und Wissen in unterschiedlichen Kontexten gelesen, gedeutet und verhandelt werden. Für April angekündigt ist der vierte Band Futurische Idyllen, der sich mit Zukunftsentwürfen zwischen Nachhaltigkeitsversprechen, Imagination und Kritik auseinandersetzt. Charakteristisch für die Reihe ist auch ihre visuelle Gestaltung: Die Umschläge greifen Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt auf, dessen konturenscharfe Arbeiten die Trennung von Objektivität und Ästhetik, von Naturgegebenem und kultureller Formung irritieren.

Die Reihe ist offen für weitere Publikationsprojekte. Wer über ein Buchvorhaben nachdenkt, das thematisch oder konzeptionell anschließen könnte, ist herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen.
Mehr zur Buchreihe


Forschung

Neues Projekt: Krähen und Kommunen

Im Rahmen der Rhein-Main-Universitätsallianz startet Climate Thinking-Mitglied Paul Reszke (JGU Mainz) gemeinsam mit Lisa Rhein und Niklas Simon (beide TU Darmstadt) das Projekt Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur. Das Projekt soll ein dreischrittiges Vorgehen zur Exploration und Lösung von kommunikativ-diskursiven Konflikten an der Schnittstelle von Gesellschaft und Natur ermöglichen, bei dem Perspektiven der Angewandten Linguistik und der Akteur-Netzwerk-Theorie kombiniert und um Aspekte einer (partizipativen) citizen science erweitert werden.

Als Problemkomplex wird der Umgang mit Krähenpopulationen in der Nähe von Obstbaumplantagen sowie in angrenzenden Wohngebieten in der Rhein-Main-Region bearbeitet. Das langfristige Ziel ist die Verstetigung dieser Forschungsplattform.
Ein erster Workshop ist für November 2026 geplant.
Weitere Informationen im Link unter Aktuelles


Transfer

Climate Writing

Ankündigungsposter für die Climate Writing Workshops
In bereits zwei Workshops zum Kreativen Schreiben in, mit und über Umwelt hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, sich schreibend ihrer Umwelt anzunähern und sowohl ihre Wahrnehmung von Natur als auch ihren eigenen Schreibprozess zu reflektieren: Unter der Leitung der CT-Mitglieder Silvie Lang und Lisa Hinterleitner (beide Universität Kassel) erkundeten die Teilnehmenden in unterschiedlichen Wetterlagen beobachtend und schreibend den Campus und die Umgebung. Besonders erfreulich war das Interesse aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Statusgruppen. Die Studierenden zeigten großes Interesse an der kreativen Textarbeit, nutzten den Workshop aber auch als Einstieg ins wissenschaftliche Schreiben. Es entstanden kurze Texte, von denen einer bereits im Rahmen der Abschlussfeier der Absolvent:innen des Fachbereichs Geistes- und Kulturwissenschaften der Universität Kassel vorgetragen wurde. Als thematische Gemeinsamkeit erschien dabei besonders die unscharfe Trennlinie von Natur und Kultur.


Eine Veröffentlichung der Texte im Laufe dieses Jahres ist in der Zeitschrift Brennessel – Blätter für Natur, Raum & Wahrnehmung (Edition Dryade) vorgesehen, begleitet von einer Lesung.
Zum Verlag Edition Dryade (PDF)


Momentaufnahme

Ausstellung studentischer Arbeiten

Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie (Universität Kassel: Wintersemester 2025/26, Leitung Martin Böhnert). Detailaufnahme einer studentischen Arbeit zu Stolpersteinen im Kontext von Care-Verhältnissen. Entstanden im Seminar Matters of Care – Sorge als Denk- und Handlungsform in der Philosophie (Universität Kassel: Wintersemester 2025/26, Leitung Martin Böhnert).
Weitere Eindrücke zu den studentischen Arbeiten


Danke für die Aufmerksamkeit und herzliche Grüße,
Martin Böhnert & Johannes Thüne
für die IAG Climate Thinking

Martin Böhnert Martin Böhnert Dieser Newsletter wurde gemeinsam verfasst von Martin Böhnert (Universität Kassel), der aus philosophischer Perspektive zu Care, Wissen und Verantwortung im Kontext der Klimakrise arbeitet, und Johannes Thüne (Ruhr-Universität Bochum), der aus der katholischen Theologie heraus Care, Befreiung und Stimmen der Marginalisierten in den Mittelpunkt stellt.




‎English newsletter



Dear all,

Around the annual Equal Care Day on February 29 – celebrated this year for the tenth time – questions of care, responsibility, and attentiveness move, at least temporarily, into the foreground. They remind us that phenomena such as the climate crisis, sustainability, or the Anthropocene cannot be understood from a single perspective, but only as layered, polyphonic constellations. Against this background, the interdisciplinary working group Climate Thinking engages with these fields through a range of different approaches and perspectives. This newsletter reflects the diversity within the group by being jointly curated for each issue by two members in dialogue.


Publications

Two new open-access volumes

Cover of Reading Nature and Cultures
Our book series Climates – Cultures – Contexts, published with transcript, approaches climate, sustainability, and the Anthropocene not as isolated topics but as a complex of phenomena embedded in cultural, spatial, temporal, material, and institutional contexts.

The third volume, Reading Nature and Cultures, published in January, takes Witi Ihimaera’s The Whale Rider as its point of departure and brings together perspectives on how nature, culture, and knowledge are read, interpreted, and negotiated across different contexts. The fourth volume, Futurische Idyllen, announced for April, explores imaginaries of the future situated between promises of sustainability, imagination, and critique. A distinctive feature of the series is its visual design: the covers draw on plant photographs by Karl Blossfeldt, whose sharply contoured works unsettle the separation between objectivity and aesthetics, between what is given by nature and what is shaped culturally.

The series is open to further publication projects. Anyone considering a book project that could connect thematically or conceptually is warmly invited to get in touch with us.
More about the book series


Research

New project: Crows and Communities

Within the framework of the Rhine-Main University Alliance, Climate Thinking member Paul Reszke (JGU Mainz), together with Lisa Rhein and Niklas Simon (both TU Darmstadt), is launching the project Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur (Crows and Communities. Discursive Conflicts between Society and Nature). The project aims to develop a three-step approach for exploring and addressing communicative–discursive conflicts at the interface of society and nature. It combines perspectives from applied linguistics and actor–network theory and extends them through elements of (participatory) citizen science.

As a concrete problem complex, the project focuses on the management of crow populations in the vicinity of fruit orchards as well as in adjacent residential areas in the Rhine–Main region. The long-term goal is to establish this research platform on a sustainable basis.
A first workshop is planned for November 2026.
Further information via the link under Aktuelles


Transfer

Climate Writing

{Poster announcing the Climate Writing workshops. It shows a stylized fountain pen whose nib extends into the roots of a tree.}
In two workshops on Creative Writing in, with, and about the Environment, participants had the opportunity to approach their surroundings through writing and to reflect both on their perception of nature and on their own writing processes. Under the guidance of CT members Silvie Lang und Lisa Hinterleitner (both University of Kassel), participants explored the campus and its surroundings through observation and writing in a variety of weather conditions. Particularly encouraging was the interest shown by participants from different disciplines and status groups. Students expressed strong interest in creative textual work, while also using the workshop as an entry point into academic writing. Short texts emerged from the workshops, one of which has already been read aloud at the graduation ceremony of the Faculty of Humanities and Cultural Studies at the University of Kassel. A recurring thematic thread was the blurred boundary between nature and culture.


Publication of the texts is planned for later this year in the journal Brennessel – Blätter für Natur, Raum & Wahrnehmung (Edition Dryade), accompanied by a public reading.
About the publisher Edition Dryade (PDF)


Snapshot

Exhibition of student work

Detail view of the project. The excerpt shows various objects (photographs of Stolpersteine, printed emails, a spoon used for cleaning) connected with red threads.
Detail view of a student project on Stolpersteine in the context of relations of care. Created in the seminar Matters of Care – Care as a Mode of Thinking and Acting in Philosophy (University of Kassel, winter semester 2025/26, led by Martin Böhnert).
Further impressions of the student work


Thank you for your attention and kind regards,
Martin Böhnert & Johannes Thüne
for the Interdisciplinary Working Group Climate Thinking

Martin Böhnert Martin Böhnert This newsletter was jointly written by Martin Böhnert (University of Kassel), who works from a philosophical perspective on care, knowledge, and responsibility in the context of the climate crisis, and Johannes Thüne (Ruhr University Bochum), who, drawing on Catholic theology, places care, liberation, and marginalized voices at the center of his work.




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MW

AKTUELL


Checken: Tatsache in: Benutzer:Lara_Neugebauer/Werkstatt



- „Aufzeigen, was getan werden soll“[1]

Mit dem Einsatz von Narrativen im Klimawandeldiskurs ist es möglich, der Gesellschaft durch die Verknüpfung von Erzählungen und Fakten die komplexe Problematik näher zu bringen und damit unter Umständen eine Handlungsmotivation zu bewirken.[2]


DUDEN: Orientierung über aktuelle Verwendung der Sprache bieten, Spiegel der zeitgenössischen Sprache und Gesellschaft

Lexikon-Quelle ohne Autorin[3]

Lexikon-Quelle mit Autorin[4]


LH als Forschungsprojekt

Zugang der einzelnen Disziplinen, d.h. eren Methoden, Theorien und Begriffe nutzen um Diskurs zu durchdringen und begrifflich auf neue Weise greifbar machen. Höllein, Dagobert; Wieders-Lohéac, Aline (Hrsg.) (in Vorb.): Fridays for Future. Sprachliche Perspektiven auf eine globale Bewegung.



Tübingen: Narr.


[5]

Vorlesungsreihe 2021 LISTE


Wissen Intro

Eine solche Reflexion eröffnet etwa den Blick auf in Konkurrenz stehende Wissensformen und Debatten um die Rechtfertigung und Begründung von Wissensansprüchen. Vor diesem Hintergrund wird aus dem vermeintlich stabilen und abgeschlossenen Wissensbegriff des Alltags ein komplexes Phänomen.


Aspekte der Wissensreflexion

Objektivität

Ähnlich selbstverständlich wie die Bezugnahme auf Fakten erscheint die Forderung nach Objektivität. Doch auch dieser Begriff ist bei genauerer Betrachtung weniger eindeutig, als unsere alltägliche Bezugnahm suggeriert. So zeigt Lorraine Daston in ihrer wissenschaftshistorischen Arbeit, dass bei der Bezugnahme auf Objektivität oft ganz verschiedene Bereiche miteinander vermengt werden: „Mühelos gleiten wir von Aussagen über die ‚objektive Wahrheit‘ einer wissenschaftlichen Behauptung hinüber zu solchen über die ‚objektiven Verfahren‘, die einen Befunde untermauern, und weiter zu solchen über die ‚objektive Haltung‘, die einen Forscher auszeichnet.“[6] Zudem zeige die historische Entwicklung des Objektivitätsbegriffs, dass – banal ausgedrückt – Objektivität nicht objektiv ist.

Tugenden der Wissensproduktion und -rezeption

„Solange Erkenntnis einen Erkennenden postuliert und solange der Erkennende als potentielle Hilfe oder Hürde für die Erwerbung von Erkenntnis gilt, wird sein Selbst ein erkenntnistheoretisches Thema sein.“ [7] Mit dieser Überlegung gelangt das erkennende Subjekt in den Blick. Damit es der Erkenntnis nicht als Hürde im Weg steht, lassen sich spezifische normative Tugenden formulieren, auf die sich das erkennende Subjekt bei seiner oder ihrer Tätigkeit berufen soll: Dies sind einerseits charakterbezogene Tugenden wie Geduld, Aufmerksamkeit, Genauigkeit, Beharrlichkeit oder Strenge, aber auch verfahrensbezogene Tugenden wie Objektivität, Exaktheit, Einfachheit, Konsistenz und Akkuratheit, die ihrerseits Einfluss auf das Auskommen des Erkenntnisprozesses haben. Die Philosophin Helen Longino stellt mit Blick auf epistemische Tugenden heraus, dass es sich bei der Einnahme dieser um Entscheidungen des erkennenden Subjekts handelt und dass zwar ein traditionsbedingter, jedoch kein unumstößlicher Kanon bestehe. Daraus folgert sie, dass der Kanon durchaus zur Disposition steht und entsprechend erweitert oder verändert werden könne und schlägt Tugenden wie Heterogenität, methodische Neuartigkeit, die Berücksichtigung der Komplexität von Zusammenhängen oder die Dezentralisierung von Machtverhältnissen als Tugenden vor.[8] Der Philosoph Don Fallis stellt zudem heraus, dass sich Tugenden nicht nur in der Wissensproduktion reflektieren lassen, sondern auch die erkenntnistheoretischen Tugenden der Rezipierenden von Wissen reflektieren lassen.


Personen Artikel

René Descartes

Don Fallis

  1. Espinosa, Cristina; Pregernig, Michael; Fischer, Corinna (2017): Narrative und Diskurse in der Umweltpolitik: Möglichkeiten und Grenzen ihrer strategischen Nutzung. Umweltbundesamt Texte (86), Online, zuletzt abgerufen am 12.01.2022.
  2. Vgl. Hulme, Mike (07.12.2020): Ein Problem, das sich nicht lösen lässt. In: Welt-Sichten. Online, zuletzt abgerufen am 11.01.2022.
  3. [Lemma] Gurke. In: Müller, Johnny (Hrsg.): Lexikon der Gemüsesorten, Bd. 3, Bottrop: Pittiplatsch (1991), S. 456.
  4. Hennef, Helga: [Lemma] Gurke. In: Müller, Johnny (Hrsg.): Lexikon der Gemüsesorten, Bd. 3, Essen: PuttiPlutsch (1991), S. 123.
  5. Höllein, Dagobert; Wieders-Lohéac, Aline (Hrsg.) (in Vorb.): Fridays for Future. Sprachliche Perspektiven auf eine globale Bewegung. Tübingen: Narr.
  6. Daston, Lorraine (2001): Objektivität und die Flucht aus der Perspektive. In: Daston, Lorraine (Hrsg.): Wunder, Beweise und Tatsachen, Frankfurt: Fischer, S. 127-156, hier S. 127.
  7. Daston, Lorraine; Galison, Peter (2007): Objektivität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 43.
  8. Vgl. Longino, Helen (1994): In Search of Feminist Epistemology. In: The Monist 77(4), S. 472-485, hier S. 476.