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	<title>wiki.climate-thinking.de - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. '''Karen J. Warrens ökofeministische Ethik''' bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.[[Datei:Banner_of_Climaximo_on_womens_day_march_Just_and_Ecofeminist_transition(2).jpg|thumb|Eine Klimaorganisation, die 2024 in Portugal auf ihrem Banner fordert: &amp;quot;Gerechte und ökofeministische Transformation jetzt!&amp;quot;.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition unterdrückerischer konzeptueller Rahmen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay ''„The Power and the Promise of Ecological Feminism“'' beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem ''oppressive conceptual framework'' (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Solidarität als feministische Schnittstelle gegen Sexismus und Naturismus ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gerade weil [[Ökofeminismus in der Vormoderne|historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“]] besteht, und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;„feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization”&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=131 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ökofeministische Ausgestaltung einer Umweltethik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neue Narrative und Perspektiven ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=136 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Frye, Marilyn |Titel=In and Out of Harm´s Way: Arrogance and Love  |Herausgeber*in= Frye, Marilyn |Sammelband=The Politics of reality: Essays in Feminist Theory |Ort=Trumansburg, New York |Verlag=The Crossing Press |Jahr=1983 |Seite=66-72 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=137 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (ebd.). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=135 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Grundbedingungen einer ökofeministischen Ethik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag zu [[Intersektionalität im Ökofeminismus]]. Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=139-141 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<updated>2026-09-14T15:10:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. '''Karen J. Warrens ökofeministische Ethik''' bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.[[Datei:Banner_of_Climaximo_on_womens_day_march_Just_and_Ecofeminist_transition(2).jpg|thumb|Eine Klimaorganisation, die 2024 in Portugal auf ihrem Banner fordert: &amp;quot;Gerechte und ökofeministische Transformation jetzt!&amp;quot;.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition unterdrückerischer konzeptueller Rahmen ==&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay ''„The Power and the Promise of Ecological Feminism“'' beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem ''oppressive conceptual framework'' (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Solidarität als feministische Schnittstelle gegen Sexismus und Naturismus ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gerade weil [[Ökofeminismus in der Vormoderne|historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“]] besteht, und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;„feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization”&amp;lt;/big&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=131 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ökofeministische Ausgestaltung einer Umweltethik ==&lt;br /&gt;
=== Neue Narrative und Perspektiven ===&lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=136 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Frye, Marilyn |Titel=In and Out of Harm´s Way: Arrogance and Love  |Herausgeber*in= Frye, Marilyn |Sammelband=The Politics of reality: Essays in Feminist Theory |Ort=Trumansburg, New York |Verlag=The Crossing Press |Jahr=1983 |Seite=66-72 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=137 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (ebd.). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=135 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Grundbedingungen einer ökofeministischen Ethik ===&lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag zu [[Intersektionalität im Ökofeminismus]]. Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=139-141 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<updated>2026-09-14T15:06:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. '''Karen J. Warrens ökofeministische Ethik''' bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.[[Datei:Banner_of_Climaximo_on_womens_day_march_Just_and_Ecofeminist_transition(2).jpg|thumb|Eine Klimaorganisation, die 2024 in Portugal auf ihrem Banner fordert: &amp;quot;Gerechte und ökofeministische Transformation jetzt!&amp;quot;.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition unterdrückerischer konzeptueller Rahmen ==&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay ''„The Power and the Promise of Ecological Feminism“'' beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem ''oppressive conceptual framework'' (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Solidarität als feministische Schnittstelle gegen Sexismus und Naturismus ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gerade weil [[Ökofeminismus in der Vormoderne|historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“]] besteht, und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=131 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ökofeministische Ausgestaltung einer Umweltethik ==&lt;br /&gt;
=== Neue Narrative und Perspektiven ===&lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=136 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Frye, Marilyn |Titel=In and Out of Harm´s Way: Arrogance and Love  |Herausgeber*in= Frye, Marilyn |Sammelband=The Politics of reality: Essays in Feminist Theory |Ort=Trumansburg, New York |Verlag=The Crossing Press |Jahr=1983 |Seite=66-72 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=137 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (ebd.). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=135 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Grundbedingungen einer ökofeministischen Ethik ===&lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag zu [[Intersektionalität im Ökofeminismus]]. Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=139-141 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
	</entry>
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		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Datei:Banner_of_Climaximo_on_womens_day_march_Just_and_Ecofeminist_transition(2).jpg&amp;diff=7054</id>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: - Lizens: CC-BY-4.0 
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- Urheberin: Lua Eva Blue&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
- Lizens: CC-BY-4.0 &lt;br /&gt;
Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Banner_of_Climaximo_on_womens_day_march_Just_and_Ecofeminist_transition.jpg?uselang=de&lt;br /&gt;
- Urheberin: Lua Eva Blue&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<updated>2026-09-14T13:40:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. '''Karen J. Warrens ökofeministische Ethik''' bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition unterdrückerischer konzeptueller Rahmen ==&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay ''„The Power and the Promise of Ecological Feminism“'' beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem ''oppressive conceptual framework'' (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Solidarität als feministische Schnittstelle gegen Sexismus und Naturismus ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gerade weil [[Ökofeminismus in der Vormoderne|historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“]] besteht, und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=131 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ökofeministische Ausgestaltung einer Umweltethik ==&lt;br /&gt;
=== Neue Narrative und Perspektiven ===&lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=136 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Frye, Marilyn |Titel=In and Out of Harm´s Way: Arrogance and Love  |Herausgeber*in= Frye, Marilyn |Sammelband=The Politics of reality: Essays in Feminist Theory |Ort=Trumansburg, New York |Verlag=The Crossing Press |Jahr=1983 |Seite=66-72 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=137 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (ebd.). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=135 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Grundbedingungen einer ökofeministischen Ethik ===&lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag zu [[Intersektionalität im Ökofeminismus]]. Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=139-141 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<updated>2026-09-14T13:39:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. '''Karen J. Warrens ökofeministische Ethik''' bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition unterdrückerischer konzeptueller Rahmen ==&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay ''„The Power and the Promise of Ecological Feminism“'' beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem ''oppressive conceptual framework'' (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Solidarität als feministische Schnittstelle gegen Sexismus und Naturismus ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gerade weil [[Ökofeminismus in der Vormoderne|historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“]] besteht, und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=131 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ökofeministische Ausgestaltung einer Umweltethik ==&lt;br /&gt;
=== Neue Narrative und Perspektiven ===&lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=136 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Frye, Marilyn |Titel=In and Out of Harm´s Way: Arrogance and Love  |Herausgeber*in= Frye, Marilyn |Sammelband=The Politics of reality: Essays in Feminist Theory |Ort=Trumansburg, New York |Verlag=The Crossing Press |Jahr=1983 |Seite=66-72 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=137 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (ebd.). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=135 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Grundbedingungen einer ökofeministischen Ethik ===&lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag zu [[Intersektionalität im Ökofeminismus]]. Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=139-141 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (ebd., S. 139-141). Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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		<id>http://www.climate-thinking.de/index.php?title=Benutzer:Jonas_Raschendorfer/Werkstatt&amp;diff=7051</id>
		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<updated>2026-09-14T13:38:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. '''Karen J. Warrens ökofeministische Ethik''' bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition unterdrückerischer konzeptueller Rahmen ==&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay ''„The Power and the Promise of Ecological Feminism“'' beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln &amp;lt;ref&amp;gt;vgl.{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem ''oppressive conceptual framework'' (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Solidarität als feministische Schnittstelle gegen Sexismus und Naturismus ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gerade weil [[Ökofeminismus in der Vormoderne|historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“]] besteht, und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization”&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=131 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ökofeministische Ausgestaltung einer Umweltethik ==&lt;br /&gt;
=== Neue Narrative und Perspektiven ===&lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=136 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Frye, Marilyn |Titel=In and Out of Harm´s Way: Arrogance and Love  |Herausgeber*in= Frye, Marilyn |Sammelband=The Politics of reality: Essays in Feminist Theory |Ort=Trumansburg, New York |Verlag=The Crossing Press |Jahr=1983 |Seite=66-72 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;, das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=137 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (ebd.). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=135 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
=== &lt;br /&gt;
Die Grundbedingungen einer ökofeministischen Ethik ===&lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=128 }}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag zu [[Intersektionalität im Ökofeminismus]]. Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung&amp;lt;ref&amp;gt;{{Quellen-Literatur|Autor*in=Warren, Karen J. |Titel=The Power and tthe Promise of Ecological Feminism |Zeitschrift=Environmental Ethics |Band=12 |Nummer=2 |Jahr=1990 |Seite=125-145 |Online=https://www.wfd.org/environmental-democracy |Abruf=14.09.2026 |Seite=139-141 }}&amp;lt;/ref&amp;gt; (ebd., S. 139-141). Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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		<title>Benutzer:Jonas Raschendorfer/Werkstatt</title>
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		<updated>2026-09-14T09:53:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jonas Raschendorfer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Werkstatt}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologische Krise wird häufig als technisches, wirtschaftliches oder naturwissenschaftliches Problem behandelt: Emissionen sollen gesenkt, Ressourcen durch neue, klimafreundlichere Technologien schonender genutzt werden. Eine solche Perspektive kann wichtige Lösungsansätze bieten. Gleichzeitig lässt sie außer Acht, dass Umweltzerstörung stets auch in soziale Machtverhältnisse eingebettet ist. Karen J. Warrens ökofeministische Ethik bietet einen Ansatz, ökologische Krisen nicht allein als technisch-naturwissenschaftliche Probleme, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu verstehen, die von hierarchischem Denken in Dualismen geprägt sind.  Der vorliegende Beitrag erläutert die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes und fragt danach, welche Konsequenzen sich daraus für eine ökofeministisch ausgerichtete Umweltethik ergeben.&lt;br /&gt;
Warrens ökofeministische Perspektive, die sie in ihrem Essay „The Power and the Promise of Ecological Feminism“ (1990) beschreibt, konstatiert eine grundlegende Parallele zwischen dem historisch entwickelten, gesellschaftlichen Umgang mit Frauen und mit der Natur in Denken und Handeln (vgl. Warren, 1990, S.125-128). Diese sei in einer bestimmten Art von konzeptuellen Rahmen zu finden, der Herrschaft, bzw. Unterdrückung rechtfertigt und aufrechterhält, nämlich dem oppressive conceptual framework (ebd). Ein konzeptueller Rahmen ist eine Ansammlung von Glaubenssätzen, Werten und Einstellungen, durch die wir, wie durch eine sozial konstruierte Linse die Welt und uns selbst wahrnehmen und die durch Komponenten wie Geschlecht, Ethnie, Klasse, Alter, sexuelle Orientierung, Nationalität und Religion beeinflusst wird (ebd.). Ein konzeptueller Rahmen wird nach Warren dann unterdrückerisch, wenn er drei Eigenschaften miteinander vereint: wertehierarchisches Denken, Wertedualismus und die „Logik der Unterdrückung“ (ebd., logic of domination). Das binäre Denken im Wertedualismus generiert gegensätzliche Paare, die als exklusiv (nicht komplementär und inklusiv) definiert werden, während wertehierarchisches Denken dafür sorgt, dass „oben-unten“ Denkmuster entstehen, die das, was als „unten“ gedacht wird, dem gegenüber abwerten, was „oben“ ist. Einem der zwei Teile wird dann ein höherer Wert zugeschrieben als dem anderen. Aus binärem Denken folgt eine binäre Trennung, die zu einer hierarchischen Anordnung führt und die Gefahr von Unterdrückung birgt. Diese Werthierarchien müssen nicht inhärent problematisch sein, sie haben in wissenschaftlichen Kontexten und Alltagssituationen sogar ihre Berechtigung, etwa wenn Erkenntnisse, die empirisch nachweisbar sind, höher gewichtet werden als anekdotisches Wissen oder bloße Spekulation. In Verbindung mit der dritten Eigenschaft jedoch, der Logik der Unterdrückung, entfalten sie ihre sozial ungerechte Potenz. So liefert diese Logik vermeintlich eine moralische Legitimation für die Unterdrückung des konzeptionell Untergeordneten in Dualismen wie Mensch-Natur, Mann-Frau oder Vernunft-Gefühl (ebd., s. 128).&lt;br /&gt;
Gerade weil historisch eine enge konzeptionelle Verknüpfung von „Frau“ und „Natur“ besteht (Link: Ökofeminismus in der Vormoderne), und deren Unterdrückung gleichsam durch diese Logik gerechtfertigt wurde, sieht Warren eine enge Verknüpfung von Feminismus und Umweltethik. Sie fordert aus diesem Grund, dass die Abschaffung jeder Art von Logik der Unterdrückung Teil einer feministischen Kritik sein müsse (ebd.). Es sei deshalb eine ökofeministische Notwendigkeit, dass diese Kritik neben Sexismus auch Naturismus, also die Herrschaft über die nicht-menschliche-Natur miteinschließe, die ebenfalls durch Herrschaftslogiken begründet und somit konzeptionell mit sexistischer Unterdrückung verbunden sei. Ökofeminismus fördere durch diese Auffassung das Denken und die Akzeptanz von Unterschieden ohne Herrschaftslogiken und realisiere sich daher insbesondere in Solidaritätsbewegungen: „feminism must be a `solidarity movement` based on shared beliefs and interests rather than a `unity in sameness` movement based on shared experiences and shared victimization” (ebd., S.131). &lt;br /&gt;
Über diese Argumentation leitet Warren über zu den Möglichkeiten, Umweltethik aus einer ökofeministischen Perspektive neu zu konzipieren. Dafür gibt sie Beispiele für neue Narrative, Perspektiven, Methoden und Werte, die mit einer ökofeministisch ausgerichteten Umweltethik einhergehen sollten. So fordert sie bspw. den Wechsel von einer „arroganten“ zu einer „liebenden Wahrnehmung“ für das Gegenüber bzw. die natürliche Umwelt (ebd., S.136, eigene Übersetzung). Sie bezieht sich dabei auf das Konzept des „loving eye“ von Marilyn Frye (1983, S.66-72), das die Genese einer ethischen Haltung aus einem Modus der sorgenden und in-Beziehung-stehenden Wahrnehmung und nicht, wie es meist geschehe, aus einer problemdefinierenden und trennenden Wahrnehmung befürwortet. Eine arrogante Wahrnehmung beschränke das betrachtete Gegenüber auf Funktionen, die in einer Nutzenrelation für den Menschen stehen, anstatt ihm als unabhängigem Gegenüber zu begegnen. Durch diese Art der arroganten, invasiven Betrachtung, die das Gegenüber auf Ähnlichkeiten und Unterschiede reduziert und damit vereinnahmt, würde eine Ethik erzeugt, die mit moralischer Hierarchisierung durch ein Prinzip der „unitiy in sameness“ (ebd., S.137) einhergeht. Dieses Prinzip stehe im Wiederspruch zum Konzept der liebenden Wahrnehmung, das Verschiedenheit voraussetzt und akzeptiert, während die Wahrnehmung des anderen als etwas Unabhängiges und Unterschiedenes als ein Ausdruck der Liebe für etwas oder jemanden begriffen wird (Warren, 1990, S.137). Konkret kann diese Verschiebung der Wahrnehmung nach Warren unter anderem durch narrative Erzählungen aus der Ich-Perspektive erreicht werden, da sie eine andere Form der ethischen Entscheidungsfindung und Theoriebildung bieten (ebd. S.135). Nicht nur ermögliche sie eine neue, häufig vernachlässigte Sensibilität für ein „in-Beziehung-stehen-mit“ und schaffe eine argumentative Kraft, indem sie ethische Erwägungen kontextualisieren. Darüber hinaus biete diese Form der Erzählung auch Raum für ethische Haltungen und Beweggründe, die häufig vernachlässigt werden (z.B. Sorge, Freundschaft). &lt;br /&gt;
Aus diesen Überlegungen „webt“ Warren metaphorisch einen „Quilt“  sieben unterschiedlicher Grundbedingungen für eine ökofeministische Ethik (ebd. S128). Mit dieser Metapher unterstreicht sie die Unterschiedlichkeit verschiedener intersektionaler Stimmen und verlegt damit den Fokus der Statik und Eindeutigkeit auf Wandel und Prozesshaftigkeit. Für eine weiterführende Betrachtung der Verschränkung von Geschlecht mit weiteren Machtverhältnissen, etwa Klasse, Ethnizität oder Kolonialität, siehe den Beitrag „Intersektionalität im Ökofeminismus“ (link). Eine ökofeministische Ethik ist nach Warren zudem hoch kontextualistisch, pluralistisch, inklusiv und in ständiger Veränderung (ebd., S. 139-141). Ein pluralistischer Blickwinkel, der alle miteinbezieht, wird einer „objektiven“ Perspektive vorgezogen, da diese voreingenommen, vereinheitlichend und faktisch nicht existent sei. Darüber hinaus schafft eine derartige Ethik Platz für Werte wie Fürsorge, Liebe, Vertrauen oder Freundschaft und leugnet abstrakten Individualismus. Schließlich wird Mensch-sein selbst als Ergebnis historischer und sozialer Entwicklungen und als stets in-Beziehung-stehend mit einer mehr-als-menschlichen Natur begriffen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jonas Raschendorfer</name></author>
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